20080802

Maskentanz 2007

Ritual.
Magischer Raum.
Zwischen den Zeiten schweben.
Zwischen den Welten fliegen.
Eins mit allem sein.
Heilen,
Verstehen,
Lieben,
Teilen,
...
und GANZ werden

Der Maskentanz eröffnet uns die Möglichkeiten der heilsamen Verbindungen mit anderen Formen des Lebens und läßt uns für einen kurzen Moment in die Zeitlosigkeit, in den Kern des Lebens, in die Verbindung von allem, was ist, hineinspüren.
Er trifft unsere Seele, unseren Körper, unseren Geist auf der Ebene der nichtalltäglichen Wahrnehmung, und wir verweben unser Geschehen mit dem der anderen Wesen, der anderen Welten, der Dimensionen jenseits unsres Verstehens. Auf diese Weise können wir Loslösung, Reinigung, Heilung und Harmonie erfahren, wiederherstellen, in die Welt hineintragen - denn immer nehmen wir auch ein kleines Stück davon in unseren Alltag zurück.
Der Maskentanz nach Felicitas Goodman ist ein Gruppenprozess, der im Zusammenspiel, im gemeinsamen Empfangen von Informationen und des Miteinander-Verwebens zu der sich im Moment des richtigen Augenblicks entfaltenden rituellen Feier für den Kreislauf des Lebens wird - und jede/r Teilnehmer/in erlebt ihn ganz individuell und doch nur im gemeinsamen Spiel mit allen. Der Moment des Tanzes ist damit zutiefst magisch.
Einen Ausschnitt hierzu kann die Geschichte der Adlerfrau geben:
Weiteres zum Nachlesen unter:

http://www.trancehaltungen.info/Maskentanz.html

Maskentanz 2007
im Forsthaus Scheuren in der Eifel
unter Leitung von Ki Salmen, Trainerin nach der Methode "Rituelle Körperhaltungen und Ekstatische Trance nach Dr. Felicitas-Goodman"

Tanz der Adler-Frau

Es ist schon dämmerig, die schöne blaue Stunde, und endlich hat es aufgehört zu regnen. Majestätisch schreitet Adlerfrau ums Feuer, begrüßt den Trommler. Sie fühlt sich schön und stolz. Eule und Wolf sind schon draußen, danach folgen die anderen: Strauß, Delfin, Weiße Wölfin, Eisbär, Schmetterling und Schildkröte.
Sie bewegen sich, jedes auf seinem Platz, rund um das kleine Feuer. So kommt jedes Tier in die Traumzeit dieses Tanzes hinein.
Alle schreiten jetzt gemeinsam zur großen Wiese, wo sie einen Kreis bilden, in dem jedes Tier seinen besonderen Heilungstanz für die Welt tanzt. Die Adlerlaute kommen immer mehr aus der Kehle und nicht mehr aus dem Kopf. Mit den Tönen schreitet die Verwandlung von der Menschenfrau in die Adlerfrau fort. Der Trommler ist mitgekommen, er begleitet den Reigen, seine Präsenz ist spürbar, obwohl das Trommeln eher zurückhaltend und eher leise ist.

Adlerfrau fliegt durch den Kreis, dreht ihre einsamen Runden, hört die anderen nicht summen, sie hört die Stille. Die anderen Tiere strecken ihr alle nacheinander die Hände entgegen, sie legt jedem Wesen die Krallen an die Pfoten, Flossen, Tatzen. Der Kontakt ist intensiv und berührend. Da ist der Impuls, jedes Wesen mit den Schwingen zu umfangen, und zugleich die Konfrontation mit der Adler-Natur, die es gebietet, Abstand zu halten.
Weiße Wölfin und Wolf rangeln mit dem Eisbär, dieses Raufen von Wölfen und Bär zusammen mit dem kleinen Delphin ist spielerisch und leicht, sehr schön anzuschauen. Es ist gut, dass Adlerfrau so einen weiten Überblick über alle hat, ihr Blick ist scharf und klar.
Die Schildkröte - Mutter Erde - bekommt Lebensenergie und Kraft aus den Pfoten und Flossen von allen.

Eule führt nun alle Tierwesen zu dem darauf folgenden Bändertanz - es ist der Tanz eines Mandala um den Kirschbaum - alle wickeln ihre Bänder um den Baum, nachdem sie um ihn  im Kreis getanzt sind.

Der Tanz geht weiter, in Schlangenlinien zum Feuer- und Schwitzhüttenplatz, wo sich die Tiere in Form einer Acht um die beiden Plätze der Feuerstelle und der Schwitzhütte bewegen, die Verbindung von Feuer und Erde schaffen. Direkt danach das Stern-Mandala zu tanzen ist wunderschön und kraftvoll. Alle tanzen die Energie des Lebens, die die Erde wie die Welle hoch und nieder schwingen lässt. Adlerfrau wird es hierbei heiß ... Atemlos, den richtigen Pfad auskundschaftend, leitet sie die anderen zum Feuer zurück.

Das Feuer ist ausgegangen, und die Weiße Wölfin kümmert sich darum, es wieder zu entfachen, alle gemeinsam geben dazu Energie, Kraft, Töne und Atem, wedeln mit Flügeln und Pfoten, dass es wieder zum Brennen kommen kann. Und da, es lodert auf! Die Stimmen der Tiere werden lauter, es ist ein sehr energetischer Moment. Gemeinsam entfachen und halten alle diese Kraft: die Kraft des Lebens für die Erde.
Die Krähen sind da, sie krächzen wiederholt und laut und geben ihren Anteil am Geschehen. Im Wald knackt und raschelt es, die kleinen Tiere sind dort und nehmen ebenfalls teil.

Alle geben ihr bereitgelegtes kleines Opfer ans Feuer, so wie die Maiskörner als Zeichen der Nahrung für die Geister und als Nahrung für Mutter Erde. Sie stehen symbolisch für das, was jedes Tierwesen persönlich geben kann: so wie die Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Liebe und Weitsicht der Adlerfrau. Jedes Tierwesen gibt so sein Opfer ans Feuer, sein Geschenk für diejenigen, die vor uns waren und diejenigen, die nach uns kommen werden.

Der freie Trance-Tanz geschieht dann im weiteren, völlig aus Raum und Zeit gelösten Raum, in mehreren Teilen. Adlerfrau dreht sich, verwandelt sich im Trancetanz, aber durch die anderen Tiere und den Kontakt mit ihnen ist sie auch immer wieder in der Interaktion. Unter der alten Eiche beim Feuer wird es der Adlerfrau bald zu eng, so wenig Platz ist dort für all die verschiedenen Tierwesen. Ihr Flug über die große Wiese ist befreiend und voller Lebensfreude. Danach tanzt sie an verschiedenen Stellen in der Nähe der anderen, immer um Ausblick und etwas mehr Raum um sich herum bemüht, braucht den gebührenden Abstand zu den anderen, beobachtend, bei der Erdenergie, beim Feuer, wachsam ...
Die Trommel leitet auf wunderbare Weise, die Adlerfrau ist schließlich ganz mit der Trommel verschmolzen, kommt in einen Schütteltanz, irgendwann entstehen die Töne aus ihrem Tanz heraus, es sind keine geformten Adler-Laute mehr, eher ein Joiken, ein Ur-Gesang, … dann wird das Tönen zu einem Heilungsgesang für die Welt, für Mutter Erde, ein Dankgesang ans Feuer.
Noch einmal fliegt sie über die Wiese und kommt dann zurück in die Position der Beobachterin. Strauß und Weiße Wölfin verharren schon in Stille in der Nähe des Feuers, die Schildkröte steht still im Hintergrund, Wolf und Bär tanzen immer noch ihren freudigen Tanz. Die Antilope ist immer wieder in ihren einsamen Kreuzschritten versunken, lange noch wacht die Eule am Feuer. Der Schmetterling wogt in einer neu gefundenen Ruhe-Bewegung auf und nieder, einzig der Delphin springt ungebrochen quirlig und munter. Es ist eine tiefe Freude, sie alle zu sehen.

Während schon einige Tiere den Tanzplatz verlassen, bleibt Adlerfrau versunken im Wiegen zu den magischen Trommeltönen, sie wiegt die Welt in ihrem Tanz hin und her, dreht dann langsam, ganz langsam noch eine letzte Runde ums Feuer herum, in tiefer Verneigung vor dem Feuer, achtungsvoll erheben sich ihre Schwingen zu den Ahninnen und Ahnen, zum Dank an die Welt.

Die Gelassenheit der Adlerfrau, den Weitblick und die Liebe des Adler-Wesens halten ... der Ausklang dieses magischen Fests in achtsamer Stille - noch lange Wochen bleibt das Gefühl, sehr berührt und dankbar zu sein.


Dieses Maskentanz-Erleben war der Höhepunkt einer Auszeit von fünf Tagen zwischen Zeit und Raum, in der die Wesen des Maskentanzes und das Geschehen sich in einzelnen Trance-Sitzungen in der Gruppe gezeigt und konkretisiert haben.
Text und Bild sind beim Maskentanz nur Platzhalter für die Erinnerung an ein Erleben, das letztlich nur dann wirklich zu verstehen ist, wenn man sich, wie bei so vielen Dingen im Leben, darauf einlässt und mitmacht.
Mein Dank gilt allen, die mitgemacht haben, danke an M. für die Fotos und an C. für die Hilfe beim Maskenbau, insbesondere danke an Ki Salmen für die achtsame Leitung, die gute Struktur und die sichere Führung dieser Maskentanz-Woche durch alle machtvollen Wetterkapriolen von Blitz und Donner, Regenfluten, Sturm und Wetterleuchten. Auch Dank an R., den Trommler, der unseren Tanz begleitet hat.

urheberrechtlich geschützt/2.8.2008/Andrea Wild
Seminarleitung nach der Methode "Rituelle Körperhaltungen und Ekstatische Trance nach Dr. Felicitas Goodman " und Mitglied im Felicitas-Goodman-Forum für Rituelle Trancehaltungen der Welt
Aktuelle Infos und Anfragen zum Maskentanz unter andreawild1@googlemail.com